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Bezeichnet der Begriff Goderoff in den Regesten der Grafen von Katzenelnbogen die ersten Schnapsgläser der Geschichte?

 

Übergang vom Medizinischen Heilwasser zum Alltagsgetränk in Katzenelnbogen wohl klar!

 

1437 läßt Graf Johann IV von Katzenelnbogen Schnapsgläser, goderulffe (erstmals erwähnt 1435), für 4,5 alb. (Albus, Weißpfennig, Silbermünze) für "gebranntes wasser" von seinem Kellner Heinrich besorgen. In weiteren Erwähnungen wiederholte sich der Genuß der Destillate bei seinem Sohn Philipp dem Älteren von Katzenelnbogen im Jahr 1449. Das gleiche Getränk im gleichen Gefäss. Seine Form: klein, lang und eng (nach Demandt). Jahrhunderte lang blieb unklar, wann Destillate den Übergang vom geheimnisumwitterten Heilmittelchen zum Alltagsgetränk schafften. Eine über 12 Jahre hinweg gesicherte Verköstigung aus speziellen Gläsern, die beim Krämer erworben werden konnten, macht diesem Rätselraten nun ein Ende. Erst die ausführliche und kontinuierliche Rechnungsführung der Grafen von Katzenelnbogen über zwei Generationen hinweg legt diesen Zusammenhang zwischen Getränk und Gefäss offen. Die Existenz dieses speziellen Glases für dieses bestimmte Getränk über eine so lange Zeit beweist auch einen offenen Umgang mit dem Genußmittel, das aus Wein, Obst und Kräutern hergestellt wurde.

 

Dem Kellner Heinrich gab der katzenelnbogener Zollschreiber Siegfried von Gelnhausen zu St. Goar Ende Juli des Jahres 1437 für 4 1/2 Alben, kleine schlanke hohe Gläser, sogenannte Goderulffe, um daraus gebranntes Wasser zu trinken.

Originaltext 1437: "item 4 1/2 alb. Henrico dem kelner wietder, hatte er umb goderulffe geben zu gebrantem waßer".(6082.27)

Originaltext 1438: "7 alb. um goderolff, hait Demud und ander myner junffrauwen gesynde geholt zu gebrantem waßer". (6083.31) (Rechnungsabschnitt: Distributum den hocken = Ausgaben für die Krämer)

Originaltext 1449: "2 alb. Kathrinen vor goderolffe zo gebrantem wasser" (6084.13) (Rechnungsabschnitt 1. Einzelausgabe für die Krämerin Katharina)

Originaltext 1449: "9 h. Kathryngyn Kremers vor guderolff" (6084.13) (Rechnungsabschnitt 2. Einzelausgabe für die Krämerin Katharina)

Originaltext 1449: "6 h. vor zwene goderoff" (6084.14)

 

Dies ist wohl eine der ersten Beschreibungen der Verköstigung von Spitiuosen in speziell dafür vorgesehenen Gläsern im Mittelalter. Die Gefässe werden Goderulffe, Goderolffe oder Goderoff genannt.

 

1438 und 1449 werden weitere Gläserkäufe u.a. von der Krämerin Katharina zu St. Goar für "gebranntes wasser" erwähnt. Es war ein spezielles Gefäss für ein hochwertiges Getränk in kleinen Mengen. Tatsächlich in katzenelnbogener Urkunden erwähnte alkoholische Getränke wie Wein, Kirschwein und Schlehenwein konnte einen Alkoholgehalt von 15% bei natürlicher Gärung nicht übersteigen. Die Weiterentwicklung der Handwerkskunst brachte ab 1420 weit effektivere Destillen mit Kühlung hervor. Vergorene Früchte und Beeren wurden über Feuer erhitzt und erreichten dadurch einen Alkoholanteil von bis zu 95% . Sie waren aber brennbar. Daher die Bezeichnung "Gebranntes Wasser". Diese Produkte widersprachen jedoch der kirchlichen Lehre der vier Elemente: Erde, Feuer, Wasser und Luft und waren als Teufelswerk zunächst verboten. Alchimisten, Ärzten und Apotheker verarbeiteten sie zu Medizin indem sie sie verdünnten. Hier war lange zweifelhaft, wann die Destillate als gesellschaftlich anerkanntes Getränk zu erhalten waren. Die zahlreiche Erwähnung in den Regesten der Grafen von Katzenelnbogen zeigt nun eindeutig:

Die Verköstigung aus diesen speziellen Gläsern, erworben von Krämern und getrunken in Gesellschaft, schliesst einen medizinischen Hintergrund ab 1437 aus. Gebranntes Wasser ist deshalb mindestens ab 1437 nachweisbar ein Getränk.

 

 

Weblink: Geschichtliche Hintergründe

 

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